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Ökumenische Kirchennacht

Kommen - Sehen - Bleiben

Ein Bericht von der 5. Ökumenischen Kirchennacht am 26. August 2011 in St. Johann Baptist

von Hiltrud Bennemann, Bilder: Sabine Diop, Horst Bennemann

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Wie im Himmel – mit dem Titelsong des gleichnamingen Filmes kann der ganze Abend der Ökumenischen Kirchennacht in St. Johann Baptist am 26. August überschrieben werden. Es gab für jeden himmlische Momente. „Wie im Himmel“ wurde von Stefanie Weinz in schwedischer Sprache mitreißend gesungen. Sie ist Solosängerin des evangelischen Gospelchors  n’Joy, der in der Mitte der Kirchennacht viele, viele ZuhörerInnen begeisterte. Chorleiter Johannes Weiß schreibt alle Stücke passend für seinen Chor und seine SolistInnen um, so auch geschehen mit dem Halleluja von Händel. Wenn so Klassik auf Soul trifft, swingt und singt das Herz mit - himmlische Momente.

 

Kontrastreicher kann Leben nicht sein.

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Vor dem Auftritt von n’Joy kamen die Aschefrauen. Veronika Fulde präsentiert in ihrer Performance „Asche“ Sinnbilder der Ewigkeit und der Vergänglichkeit. Sechs einander folgende, in weite, faltenreiche Gewänder gehüllte und gänzlich mit Asche bedeckte allegorische Figuren verkörpern im Zeichen ihres symbolischen, allegorischen und mythologischen Bedeutungsfeldes den Seelenzustand unterschiedlicher Empfindungs-momente. Der Asche wird in allen Kulturen eine reinigende und schützende Wirkung zugeschrieben. Mit ihrer Performance beschreibt Veronika Fulde ein stilles Bild der Vergänglichkeit – ein postmodernes Memento mori:
     „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst.“
Zur Einführung wurde das Gedicht Asche vorgetragen, das Veronika Fulde in Anknüpfung an Platons Gedanken zur Vergänglichkeit geschrieben hat.

 Asche,
namenloser Staub,
aus der Hitze lodernde Flammen,
im Feuer glutrot,
noch feucht vom Morgengrauen,
vertieft in Schweigen,
fortgetragen in die Nähe der Zeitlosigkeit.
Gehüllt in den Mantel der Vergänglichkeit
bleibt uns doch Erinnerung und Kostbarkeit des Augenblicks
und Hoffnung auf den Wandel-.
So steigt uns Phönix aus der Asche auf.

Dann erschienen unter den düster getragenen Klängen des Adagios in g-moll von Tomaso Albinoni die Figuren: Zunächst die total in schwarz gehüllte Trauer. Sie blieb während der ganzen Performance präsent und begleitete so den Auftritt der anderen Figuren: das Leid, die Liebe, die Eitelkeit, das Warten, der Trost und die Ruhelosigkeit. Nacheinander traten sie aus verschiedenen Richtungen zum Altar, stellten ihre Bedeutung mimisch dar und erstarrten am Ende in Einzelposen. Die „Liebe“ und der „Trost“ erinnern an die Zeichen der Hoffnung, der Auferstehung und der Erlösung, die weiteren Figuren stehen für die Diesseitsbezogenheit.  Gefolgt von den anderen Figuren zog die Trauer dann als erste wieder aus der Kirche aus, abschließend wurde noch einmal das Asche-Gedicht vorgetragen.

Es war ganz ruhig in der Kirche, die Ergriffenheit war zu spüren. Viele hätten gerne ihre Anerkennung durch Klatschen Ausdruck verliehen, aber jedem war bewusst, dass das an dieser Stelle nicht passte.

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Nach diesem beeindruckenden Schauspiel nahmen uns die sphärischen Klänge der Harfe, gespielt von Stella Kondilis, aus der Schwere heraus zu lichten Höhen. Zu hören war das  Minnelied von Ulla van Daelen, der 2. Satz einer Sonate von Johann L. Dussek, Feuilles d'automne von A. Hasselmanns und Danses d'automne Nr. 2 von Bernard Andres.

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Begonnen hatte der Abend mit dem Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde. Das Wetter verhinderte leider den geplanten Auftritt vor der Kirche als musikalische Einladung zum „Kommen“. Unter der Leitung von Reinhold Heinemann spielten die Bläser in der Kirche bekannte Choräle, beginnend  mit „Lobet den Herrn“.

 Pfarrerin Britta Beuscher und Pastor Bruno Wachten begrüßten im Anschluss die KirchenbesucherInnen, gaben einen kurzen Hinweis auf den Programmablauf und die tiefere Bedeutung des Themas Kommen-Sehen-Bleiben, das sich auf die Worte Jesus an seine ersten Jünger bezieht (Joh. 1.35-42). Britta Beuscher verwies auf das ausliegende Gebetsanliegenbuch, in das man hineinschreiben konnte, was einen bewegt, was glücklich macht. Diese Äußerungen wurden dann spätabends beim Taizégebet aufgegriffen.
Pastor Wachten machte auf die
Exponate von Gabriele Pütz aufmerksam. Von ihr waren in der Kirche sechs Kunstwerken aus der im Rheinischen Landesmuseum gezeigten Ausstellung „Die Gefahr der Worte“ zu sehen. Ein kurzer schriftlicher Wegweiser half den BesucherInnen beim „Sehen“ auf ihrem Weg durch die Kirche. Die in Honnef lebende Künstlerin hat 2004 den Rheinischen Kunstpreis erhalten. In der Begründung hieß es: „So lässt sie immer wieder die Irritation und Mutation von Objekten und Materialien entstehen, indem sie gegen die Gewissheit der Wahrnehmung antritt.“ An einem der Exponate lässt sich das leicht zeigen. Die „10 Wegweisungen“ enthalten fotografische Arbeiten von Straßenzeichen. Gabriele Pütz verwendet diese, um die dort gefundenen numerischen Angaben mit Bibelstellen zu verbinden. Diese Bibelstellen waren in ausliegen Bibeln markiert und wurden zusammen mit den Wegweisungen präsentiert, so dass der interessierte Betrachter sich mit dem Kontext näher beschäftigen konnte.
Wir müssen uns ständig „der Gefahr“ der Worte stellen, öffnen wir die Ohren zur rechten Zeit?  Viele „Hörrohre“ lagen am Tabernakel und fragten nach an diesem besonderen Ort. Es gelang der Künstlerin, den Betrachter zum „Sehen“ „Begreifen“ und „Denken“ zu animieren und sich so mit ihrer Kunst auseinander-zusetzen.

Während dieses ersten Rundgangs durch die Kirche spielte Kantor Norbert Precker an der Orgel Werke von K. van Ingelgem, J. Langlais, O. Messiaen und J.S. Bach spielen.

Die Musik hatte an diesem Abend bei den verschiedenen Programmpunkten sowohl eigenständige als auch verbindende, untermalende und kontrapunktische Aufgaben zu erfüllen. Schön, dass viele junge MusikerInnen bereit waren mitzuwirken.

Die Darbietungen des Abends variierten sehr in Tiefe und Höhe, Schwere und Leichtigkeit. Fröhlich und beschwingt ging es neben n’Joy auch zu beim Hören der Soulsongs, interpretiert von Soul Contact Sängerin Sarah Bennemann, die von Jannis Lehnert, André Schläpfer und Felix Jäger begleitet wurde.

Spannend und persönlich wurde es bei der Frage nach dem „Bleiben“. “Warum bleibe ich“ - persönliche Aussagen zum Ja zum Glauben und Ja zur Kirche. Zuerst sprachen als Jugendliche Tobias Held und Christan Mielke von der evangelischen Gemeinde in Beuel. Sie nannten als Motivation zum Ja zur Kirche die eigene Vorbereitungszeit zur Konfirmation und nun die gemeinsame Vorbereitungszeit in ihrer Rolle als Begleiter von KonfirmantInnen. Ihr Ja zum Glauben wird eingebunden in die Begegnung und das Zusammenarbeiten mit Menschen in ihrer Gemeinde.

Von der evangelischen Gemeinde in Bad Honnef sprachen Petra Wassmann und Christa Kerstan, von der katholischen Gemeinde Dr. Gundel Linhart.

Da alle mit der Veröffentlichung ihrer Texte einverstanden sind, kommen sie jetzt selbst zu Wort:
Petra Wassmann
Ich komme gerne in die Kirche, zum Gottesdienst, zum Taizégebet und besonders zum Sing and Pray.
Manchmal ist das Kommen nicht einfach, so viele andere Möglichkeiten, Sonntagsfrühstück mit der Familie, leeres Schwimmbad im Sommer...., aber meistens klappt es und dann bleibe ich gerne
- weil ich zur Ruhe komme und bei mir und Gott ankomme
- weil das Singen so befreit von den vielen Gedanken im Kopf
- weil Gott mir neue Wege zeigt, im Hören, in der Stille
- weil ich anders gehe, als ich komme
- weil ich oft das Gefühl habe, Gott hat genau gewusst, dass ich da bin und
  meine Sorgen gesehen, die Predigt war genau mein Thema
Und ich bin dankbar, dass ich immer wieder kommen kann, so wie ich bin.

Christa Kerstan
Seit meiner Konfirmation habe ich in der evangelischen Kirche eine Heimat gefunden. Mit viel Neugier habe ich mich auf den Weg gemacht - steinig und rutschig – bis ich ein festes Fundament gefunden hatte: Jesus Christus

Voll Vertrauen habe ich mich ihm angeschlossen. In meiner Kirchengemeinde in Bad Honnef habe ich über drei Jahrzehnte ein Zuhause gefunden. Hier erlebe ich eine so lebendige Gemeinde, dass es mir Freude macht, an Gottes Weinberg mitzuarbeiten.

Mir ist das Leben als Christ in der Gemeinschaft mit anderen Menschen sehr wichtig, sie gibt mir Vertrauen und Geborgenheit. In unserer Kirche kann ich innehalten vom Alltag, auf die Stille hören, beten, einfach nur sein. Sie wird dann zu einer Oase für meine Seele und deshalb bleibe ich.

Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, denn von ihm komm meine Hoffnung (Ps.62,)

Dr. Gundel Linhart
Ich leide an der Kirche.
Ich leide an ihrer menschlichen Unzulänglichkeit,
wo sie eigentlich Vorbild sein sollte.
Noch mehr leide ich an der fragwürdigen Kirchenpolitik,
die die Christen spaltet,
die mich als katholische Frau vom Priesteramt ausschließt
und von Priestern verlangt, als geschlechtslose Wesen zu leben.
   Dennoch habe ich nie daran gedacht, meine Kirche zu verlassen.

Warum?

Ihre Gebete,  Sakramente und Rituale sind mir von Kindheit an vertraut.

Ich fühle mich bei ihr zu Hause. Das merke ich besonders im Ausland.

Ohne Sonntagsgottesdienst und Gotteswort ist für mich kein Sonntag.

Die Kirche hat durch die Jahrhunderte den Gottesglauben bewahrt.

Sie verkündet ihn mir.

Zwar begreife ich Vieles nicht und werde von Zweifeln gequält,

aber ich weiß, dass mein Menschenverstand zu klein ist,

um den unendlichen Schöpfer zu begreifen.

Doch ich glaube, dass der unbegreifliche Gott

unendlich viel großzügiger ist als jede Kirche,

dass er mich und alle Menschen liebt

und niemanden aus seiner Hand fallen lässt.

 

Auch Jesus Christus verstehe ich nicht.

Er bleibt für mich ein Geheimnis.

Doch ich glaube seinem Wort.

Denn seine Worte treffen mein Herz.

Sie stärken mich, trösten mich,

zeigen mir, was wichtig und richtig ist,

geben mir Kraft zum Leben

und Hoffnung im Sterben.

 

In der Kirche finde ich die Gemeinschaft der Mit-Glaubenden,

allein für mich wird mein Glaube schwach.

Außerdem fühle ich mich selbst als Teil der lebendigen Kirche.

Nein, ich verlasse die Kirche nicht.

Wohin sollte ich denn gehen?

 

 Zwischen den Bekenntnissen zum Glauben und zur Kirche spielten Louisa Munko (Querflöte) und Hanna Groß (Klarinette) meditative Musik.

 

Traditionsgemäß wurde der Abend mit dem Taizé- Gebet zur Nacht beendet. Zur Einleitung erschien erneut eine Aschefraue – die Lichtgestalt, gleichsam als Kontrapunkt zu den vorangehenden Auftritten, zu den Klängen einer Elegie vonFauré. Pastor Bruno Wachten entzündete ihre Kerze mit dem Licht der Osterkerze und dieses Licht wurde weitergegeben an Taizékerzen , die auf dem Altar standen. Mit dem Singen der bekannten Taizélieder, dem Hören der ausgewählten Gebete und Fürbitten und dem Stillehalten ging eine ungewöhnliche - himmlische Momente enthaltende - Kirchennacht um Mitternacht zu Ende.


 

 

 

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