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„Christentum und Kultur im Schatten des Ararat“

Eine Studienfahrt nach Armenien

Vom 16.-24. Mai 2012 waren wir in Armenien unterwegs, einem

kleinen Land - nicht größer als Brandenburg - am Südkaukasus gelegen. Kein Land hat mich bisher so bewegt wie dieses!

Sei es die Großartigkeit der Natur und der Landschaft – trotz der Kleinheit des Landes; sei es die christliche Standfestigkeit des armenischen Volkes über Jahrhunderte hindurch, trotz permanenten Lebens unter wechselnder Fremdherrschaft, oder die eindrucksvollen, uralten Kirchen und Klöster, die
wunderbaren Kreuzsteine, oder der bescheidene Stolz der Menschen - obwohl heute zum großen Teil bettelarm?

Es ist wohl alles in Allem!

In der ganzen Komplexität läßt es sich schwer fassen und ausdrücken.

Bereits zu Anfang des 4. Jahrhunderts kam mit Gregor, dem Erleuchter (*um 240, † etwa 332), dem „Apostel Armeniens“ und Begründer der armenisch apostolischen Nationalkirche, das Christentum in das Land am Ararat (5400m). Obwohl dieser jenseits der Grenze, in der Türkei liegt, ist er bis heute für die Armenier  d e r  Heilige Berg – immer schneebedeckt, oft mystisch wolkenverhangen.

 

Die Entwicklung des armenischen Alphabets und die Übersetzung der Bibel in die armenische Sprache im 5. Jahrhundert leiteten das „Goldene Zeitalter“ ein. Die Bibel war das erste schriftliche Dokument überhaupt in dieser Sprache. Die christliche Literatur, die eigene Schrift und die dadurch ausgeformte Sprache bekamen für das armenische Volk höchste Symbolkraft und waren identitätsstiftend – man kann sagen bis heute.

Die Kirche war durch alle Jahrhunderte hindurch die „Hüterin des Volkes“; sie hatte integrierende Funktion, sie organisierte das Volk unter den diversen Fremdherrschaften, auf der Flucht und in der Emigration.

Früh gab es eine eigenständige Kirchenbaukunst. Wir sahen basilikaförmige Kuppelkirchen und Kreuzkuppelkirchen. Bei beiden dominieren die Kuppeln, die offen sind - und den geöffneten Himmel symbolisieren. Die klaren Kompositionen, schlichte Formen, Strenge und Einfachheit in der Ausgestaltung sind beeindruckend.

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In Armenien bildeten sich stilistische Besonderheiten heraus, die in der romanischen und gotischen Architektur später weiterentwickelt wurden.

Das moderne Armenien präsentiert sich in der Hauptstadt Eriwan, einer Großstadt, westlichen Standards. Die Bevölkerung des Landes beträgt 3,2 Millionen Einwohner; 1,2 Millionen wohnen in Eriwan. Ein unglaublich junges und lebendiges Stadtbild. Doch, begibt man sich vom Zentrum in die äußeren Bezirke der Stadt, sind die Hinterlassenschaften der Sowjetzeit trostlos und bedrückend.

Nach den langen Jahren unter Sowjetischer Besatzung und der Erlangung der Unabhängigkeit 1989, brach die Wirtschaft, die nur im Kontext mit der sowjetischen funktionierte, komplett zusammen; das Elend muß unbeschreiblich gewesen sein. Tausende, vor allem junge, arbeitsfähige Menschen verließen das Land, weil sie keine Perspektive sahen – die sogenannte „neue Diaspora“.

altDas Land – heute weitgehend industrielos – lebt von der Landwirtschaft, dem Handwerk und vor allen Dingen - von den Geldern der Diaspora-Armeniern aus aller Welt.

Wir reisten in einer interessierten und interessanten Gruppe, waren wunderbar vorbereiten durch vier Treffen im Vorfeld, detailliert und kenntnisreich auf dieses besondere Land mit seinem gebeutelten, tapferen Volk eingestimmt.

Tief beeindruckt kehrten wir zurück!

 

Karin Thomale

 

 

 

 

 

 

Es folgen ein paar Gedanken zur Ökumene eines Armenischen Kirchenvaters aus dem 12. Jahrhundert, die zeitlos in ihrer Aussage sind:

Nerses IV. Schnorhali(der Begnadete), (* 1102 in der Festung Tzovk', (Elazığ (Provinz)); † 1173) war „Katholikos des Großen Hauses von Kilikien“ mit Sitz in Hromkla und der herausragendste Theologe und Dichter seiner Zeit.

Der hl. Narses Schnorhali …ist Vorläufer des ökumenischen Geistes, der erst Jahrhunderte später in der Kirche des 20. Jahrhunderts und im II. Vatikanischen Konzil zum Reifen kommen wird…..

….Der hl. Bernhard von Clairvaux hingegen widersteht nicht der Versuchung, die Konversion zum christlichen Glauben aucmit Waffengewalt zu erzwingen, für den Fall, daß die Botschaft nicht angenommen wird; der hl. Narses Schnorhali dagegen erteilte seinen Priestern, die unter einer noch halb heidnischen Bevölkerung lebten, genau entgegengesetzte Richtlinien und ermahnte sie, nie zu weltlicher Gewalt zugreifen, wenn das Wort nicht aufgenommen wird: denn jeder ist nur Gott gegenüber verantwortlich, ob er den Glauben annimmt oder nicht.

Was das Problem der kirchlichen Einheit betrifft, so können wir uns dem Urteil von Pater Paolo Ananian anschließen, das er in seinem Artikel über Narses Schnorhali, auch Klayetsi genannt

(d. h. »Bewohner der Festung« von Hromkla am Euphrat, Sitz des Katholikos), vertritt. Der hervorragende Wissenschaftler sagt: Auch wenn es Narses nicht gelang, die Einheit mit den Griechen herbeizuführen, umriß er dennoch die Richtlinien für eine kirchliche Einheit, die ihre Gültigkeit für immer bewahren« (Bibliotheca Sanctorum, Band IV). Hier eine kurze Zusammenfassung dieser Richtlinien:

a) Das einzig wesentliche Erfordernis für die Vereinigung ist die Einheit im Glauben und in der Nächstenliebe. Alle Unterschiede der Riten, Überlieferungen und sogar dogmatischer Formeln, falls sie eine orthodoxe Bedeutung haben, sind nebensächlich.

b) Wenn einer defont-family: georgia,serif; r beiden Teile auf etwas Unwesentlichem beharrt, auch wenn dies vermieden werden könnte, muß der andere Teil dennoch dem Ansinnen möglichst entgegenkommen, um die Gemeinschaft der Nächstenliebe zu retten.

c) Es muß auf jeden Fall vermieden werden, daß die Suche nach Vereinigung neue Sprünge in der einzelnen Kirche schafft.

d) Es ist von grundlegender Wichtigkeit, miteinander zu sprechen, wir würden sagen zu kommunizieren. Dazu ist es unumgänglich, das Geschehene zu vergessen. Aber es ist ebenso notwendig, daß keiner der Teile für sich Privilegien oder Vormacht beansprucht, auch wenn er de facto mächtiger ist, wie dies die Griechen gegenüber den Armeniern waren. Es muß möglich sein, daß jeder ohne Einschränkungen und mit aller Offenheit seine Gedanken äußern kann.

e) Kein politisches oder anders geartetes Interesse, ausgenommen die christliche Nächstenliebe und der Wunsch nach evangelischem Frieden, dürfen die Suche nach Einheit beeinflussen. Geschieht dies doch, käme es fast einer Verleugnung des Glaubens gleich.

(Aus: Adriano Alpago Novello „Die Armenier“, Brücke zwischen Abendland und Orient, Belser Verlag)

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